Umbaubericht Märklin ICE 1 (InterCityExpress)





Der ICE 1 von Märklin (3370 / 3770) kam als Neuheit 1992 auf den Markt. In der digitalen Version war er eine der ersten Maschinen mit dem lastgeregelten Motor mit 5 poligem Anker und Permanentmagnet. Für mich, als bahn-begeisterten Schüler ein absolutes MUSS - ich habe gerade im Neuheitenkatalog nachgeschlagen, 562 DM sollte er damals kosten.
Die Fahreigenschaften waren dann auch deutlich besser als die der damals üblichen Allstrommaschinen mit 3 pol Anker.
(An die des ICExperimental kam er nicht heran, das soll aber hier nicht das Thema sein)
Als das Flaggschiff der Flotte (im Original wie im Modell) musste er ziemliche Laufleistungen hinlegen.
Allerdings haben damals schon die nicht deaktivierbare ABV und das "Digitalflackern" gestört.


Die Entwicklung ist fortgeschritten, aus Zeit und Platzgründen wurde ich vom Spielbahner zum Vitrinenbahner.
Trotzdem werden die alten Modelle gepflegt, bewegt, und ich versuche, der technischen Entwicklung soweit möglich und sinnvoll, zu folgen. Dazu kommt auch, dass "Digital" für mich inzwischen kein Buch mit sieben Siegln mehr ist, und ich kaum noch Respekt vor elektronischen Basteleien und Umbauten habe.
(Von den ersten, eigenen Umrüstungen auf Digital, oder gepimpten Deltadekodern, dank des Internets und des Studiums ist mir inzwischen vieles möglich, was vor 15 Jahren noch unerreichbar schien.)

So wurden nach und nach alle 6080 / Dreipol Maschinen durch 60901er ersetzt. Irgendwann waren dann auch die 6090er Dekoder nicht mehr zeitgemäß, und wurden auf 60902 oder Lokpilot m4 hochgerüstet.
(Für eine normale Maschine ist das keine große Schwierigkeit - wer mit etwas Risiko leben kann, macht das selber, ansonsten rüstet der Fachhändler / Servicebetrieb oder Märklin um). Bei manchen Modellen jedoch winkt selbst Märklin inzwischen ab, der ICE ist eines davon.

Das hat folgende Gründe:
Der ICE hat eine spezielle Version des 6090 Dekoders (der Chip ist gleich, 701.13) aber die Peripherie ist mit Schleiferumschaltung, einem verstärkten "Function" Ausgang und Oberleitungsumschalter ausgestattet.
Das macht eine Umrüstung anspruchsvoll.

Dennoch habe ich versucht, diese mittels "Standardkomponenten" durchzuführen:



Das Ergebnis war unbefriedigend! Nein, diese Lösung war für mich inakzeptabel!
Also habe ich meinen Weihnachtsurlaub genutzt, um eine angebrachte Lösung zu entwickeln. Folgendes "Lastenheft" ist dabei herausgekommen: Fast alles davon habe ich erreicht.
Allerdings war dazu ein komplettes Design einer Trägerplatine nötig.
zunächst habe ich versucht, einen ähnlichen Schiebeschalter zu bekommen - gibt es bei Reichelt als T 215 (Miniatur Schiebeschalter, Lötanschluss, 1UM) - Leider nicht als DIL Version, ich habe die Lötpads entsprechend ausgestaltet. Alle anderen Komponenten sind Standard, hier nochmal die komplette Liste: Als Layoutprogramm habe ich Target3001 verwendet, die freie Version. Die Platinen sind nur für mich in Kleinstserie entstanden, ein Verkauf ist / war nicht vorgesehen. (Sollte Interesse an einer solchen Platine bestehen, kann ich auf Anfrage das Layout zur Verfügung stellen).
Schnell habe ich gemerkt, dass ich das auf einer einseitigen Platine nicht lösen kann, und dass durch den knappen Pinabstand Lötstoplack sehr angenehm sein würde. Dennoch habe ich die Leiterbahnbreiten so designend, dass die Breite und ihr Abstand auch zum Selbstätzen und Bestücken noch ausreichend ist. Die verwendeten SMD Bauteile sind auch noch gut zu handhaben (1206).
Die Schleiferumschaltung wurde mit einem bistabilen Relais gelöst, die Logikausgänge (F3, F4) des Dekoders über 47kOhm auf den BC817 geführt. Freilaufdioden 1N4148 liegen den Spulen des Relais parallel. Ein FX Verstärker aus BC547 und BD677 sorgt für genügend Strom über den F1 Dekoderausgang, wobei der der Strom nicht über den Dekoder läuft, sondern über zwei Dioden 4007 direkt auf die Schiene geleitet wird. Damit wird der Dekoder gar nicht mit der Innenbeleuchtung des Zuges belastet, die ca. 100mA je Wagen braucht!
Soweit möglich habe ich die Lötpads mit Texten markiert, so dass ich mich auch nach einiger Zeit auf der Platine zurechtfinden werde :-)
Das ESU Power Pack habe ich vorgesehen, aber nicht aktiviert, da dann der Dekoder in der Lok nicht mehr programmierbar ist, trotzdem, Diode und Widerstand sind bestückt, es fehlen nur die Elkos.
Auch habe ich die Anschlüsse für F2 und Zugbus vom MTC Stecker mit Lötpads versehen, sollte ich da mal etwas anschließen wollen.
Die Jumper für die Schleiferumschaltung sind übrigens gewinkelt, damit man sie setzen / abziehen kann, ohne mit dem Lautsprecher zu kollidieren, bzw. die Platine ausbauen zu müssen. Damit ist es möglich, die Schleiferumschaltung zu brücken, bzw den Fahrstrom der über den hinteren Schleifer kommt, abzuschalten.
Was nicht zu erreichen war, war die komplette Trennung der Innenbeleuchtung von der Stirnbeleuchtung des Zuges (da nur zwei Leitungen durch den Zug laufen, und mir die Kompatibilität wichtiger war).
So ist nun die weiße Birne des Triebkopfes an LichtV, die rote an LichtH und der gesamte Rest des Zuges (Innenbeleuchtung und Stirnbeleuchtung des "Steuerwagens") an den verstärkten F1 angeschlossen.
Die Platinen habe ich über den PCB-Pool / Beta Layout in herstellen lassen. Sie entsprechen voll und ganz meinen Erwartungen, absolute Profiqualität (die natürlich ihren Preis hat - beim Einbau eines Loksound-Dekoders aber auch nicht so ins Gewicht fällt).

Zum Abschluss hier noch ein paar Bilder des eigentlichen Umbaus:



Alte und neue Platine im Vergleich I



Alte und neue Platine im Vergleich II



Vor dem Eingriff



Die Aussparung im Gehäuse - wie für den ESU 50448 gemacht :-)





Fast fertig - nur noch das Gehäuse wieder aufsetzen und dann: "GIB IHM"!!

Übrigens, meine ICE Wagen sind übrigens mit zwei Dioden je wagen elektronisch entflackert bzw. auf LED umgebaut. Photos und Beschreibung befinden sich hier.